Was tun bei Night Frights?

Tagsüber erfreuen uns Wellensittichen mit ihrem lebhaften und freundlichen Wesen, sie spielen, zwitschern, putzen sich und sind meistens hochzufrieden. Die Kehrseite ist, dass sie unter extremer Nachtangst leiden können. Kennst du diese Situation? Du erwachst plötzlich in der Nacht und hörst ein schreckliches Geräusch aus dem Vogelzimmer: Deine Wellis drehen durch! Dein Herz klopft wie wild, so langsam wird dir klar, dass deine Wellensittiche in Not sind und du weißt nicht, warum. Dieser Artikel bringt etwas Licht in die Welt der Nachtangst und du erfährst, was du bei Panikflattern, dem Terror in der Nacht tun kannst.

Night frights bei Wellensittichen

Was ist ein Nachtschreck?

Nachtschreck, Panikflattern oder im Englischen auch Nightfright genannt ist, wenn Wellensittiche (auch andere Vögel) mitten in der Nacht aufschrecken und wie wild im Käfig oder Vogelzimmer umherflattern, mit ihren Flügeln überall dagegen schlagen, ohne sich zu beruhigen. Oft hört man dabei noch ängstliche Laute. Wellensittiche sind Fluchttiere, wenn Gefahr droht, versuchen sie dieser Situation zu entkommen und fliegen los. Da Käfig oder Vogelzimmer räumlich begrenzt und überall Hindernisse im Weg sind, können die im Dunklen schlecht sehenden Wellensittiche nichts erkennen und stoßen in ihrer Panik überall dagegen.

Folgen des Panikflatterns

Im schlimmsten Fall könnten sich die Sittiche schwer verletzen. Möglich sind Gehirnerschütterungen, Flügel- oder Beinbrüche, Genickbrüche mit tödlichen Folgen. Schwächliche oder ältere Vögel können sogar einen Herzanfall erleiden. Manch ein Halter hat das Panikflattern gar nicht bemerkt, vielleicht weil die Vögel des nachts unbeaufsichtigt und alleine in der Wohnung oder die Verbindungstüren geschlossen waren und am nächsten Morgen traf ihn der Schlag als er ins Vogelzimmer kam: Das totale Chaos, verletzte Vögel, Blutspritzer an den Wänden und sogar von tot aufgefundenen Vögeln wurde berichtet. Besonders wenn Vögel frei im Vogelzimmer gehalten werden, ist die Verletzungsgefahr noch größer. Das ist sehr traurig. Hätte man da nicht besser vorsorgen können?

Es kann auch zur sogenannten Schreckmauser kommen, dabei stoßen Wellensittiche mehrere Schwungfedern ab. Das ist in der Natur/Wildnis ein nützlicher Schutzreflex. Man erkennt das an den vielen Schwungfedern eventuell samt der Schwanzfeder, die nach so einem Ereignis im Käfig liegen. Das ist harmlos, nach einigen Wochen wachsen diese Federn wieder nach.

Schwerwiegender ist eine Verletzung einer Blutfeder. Alle Vögel können Blutfedern haben, das sind neue Federn des Großgefieders (Schwung-, Steuer-, Schwanzfedern), die gerade aktiv nachwachsen und während dieser Zeitspanne mit Blut versorgt werden. Wenn so eine Feder in diesem Bereich abbricht und der Kiel offen in der Haut des Vogels steckt, ist das ein absoluter Notfall. Das ist wie eine offene Wunde, aus der ständig Blut austritt oder zu einem späteren Zeitpunkt bei einer weiteren Verletzung austreten kann, der Vogel könnte wegen so einer Feder verbluten. Das ist es wirklich nicht wert. Eine gebrochene oder bereits blutende Blutfeder sollte auf jeden Fall gezogen werden. Wenn das Nachts passiert, muss sofort gehandelt werden, da Wellensittiche keinen großen Blutverlust tolerieren können.

Notfall Blutfeder: Um eine Blutfeder, die am Schaft gebrochen ist oder bereits blutet zu entfernen, muss man den Vogel vorsichtig fangen. Die Feder wird mittels einer Spitzzange mit gleichmäßigem Druck in Wuchsrichtug gezogen nahe an der Stelle, an der sie aus der Haut austritt. Das geht am besten mit Hilfe einer weiteren Person, der eine hält den Vogel fest, der andere behandelt den Vogel. Nachdem die Feder entfernt wurde, drückt man die Stelle mit dem Finger oder einen Tupfer solange ab, bis die Blutung gestoppt ist. Man kann dazu auch etwas Babypuder auf die Stelle auftragen. Das Stillen der Blutung kann einige Zeit dauern. Wenn die Blutung nicht zu stoppen ist, sollte man so schnell wie möglich zum Tierarzt.

Was verursacht Nachtschreck?

Aus welchem Grund Wellensittiche einen Nachtschreck bekommen, weiß man nicht genau. Ich habe mir darüber auch oft den Kopf zerbrochen. Möglich ist, dass sie einen Albtraum hatten, ja, auch Wellensittiche träumen. Da sie empfindlich auf Schatten und unerwartete Geräusche und Vibrationen reagieren, kann auch ein Geräusch, welches sie nicht kennen oder ein Insekt, welches sich in der Nähe des Käfigs verirrt hat, schuld sein. Auch Lichtblitze, z.B. von vorbeifahrenden Fahrzeugen irritieren die Vögel im Schlaf und lassen sie aufschrecken. Ich hatte eine zeitlang mal sehr häufige Nightfrights zu verzeichnen, weil ein Partnervogel des nachts sehr unruhig war und sich bewegte, ja sogar mit Glöckchen oder Schaukel spielte. Ich habe dann irgendwann die Schaukel entfernt. Auch hatte ich den Verdacht, dass sich besonders kränkliche Vögel schnell erschrecken. Den wahren Grund konnte ich nur ganz selten nachvollziehen.

Aber jedes Mal kam es zu einem Domino-Effekt, so dass auch andere Wellis mit ihren Flügeln wie wild im Käfig schlagen, auch wenn sie in getrennten Käfigen schlafen und ursprünglich kein Nachtschreck-Erlebnis hatten.

Was man bei Panikflattern tun kann

An erster Stelle steht, im Falle einer nächtlichen Panikattacke sofort das Licht im Raum einzuschalten, damit sich die Vögel besser orientieren können. Es kann sein, dass der ein oder andere Wellensittich noch weiter flattert oder wieder anfängt. Ich habe gemerkt, dass meine Wellensittiche auf meine beruhigende und sanfte Stimme gut reagiert haben. Das bedeutet, dass man selber herunter kommen muss, damit die Vögel die eigene Aufregung nicht spüren. Also ruhig bleiben, am besten dazu etwas weiter weg vom Käfig oder der Voliere stehen bleiben, denn sobald man sich zu schnell nähert, können die Vögel das als Bedrohung wahrnehmen.

Sobald sie sich beruhigt haben, kann man näher ran gehen und nachschauen, ob alles in Ordnung ist und sich niemand verletzt hat, alle Sitzstangen noch an Ort an Stelle sind, vielleicht findet man dabei auch den Grund für die nächtliche Randale.

Wenn sich niemand offensichtlich verletzt hat, begebe ich mich dann selber wieder ins Schlafzimmer, lasse dann noch eine zeitlang das Hauptlicht an, so dass die Wellensittiche fressen und sich erholen können, oft fangen sie irgendwann ganz vorsichtig an, zu zwitschern. Dabei vergessen sie schnell, warum sie eigentlich geflattert haben und man kann versuchen, die Nachtruhe wieder herzustellen und das Licht ausschalten.

Am nächsten Morgen sollte man sich noch einmal vergewissern, dass nichts Schlimmes passiert ist, und die Wellis tatschlich nur mit dem Schrecken davon gekommen sind. Man achte darauf, ob eines der Wellensittiche sich besonders müde verhält, humpelt, hängende Flügel hat oder sonstige Auffälligkeiten zeigt.

Bei schweren Verletzungen muss man natürlich helfend eingreifen, es kann sein, dass sich Vögel im Käfig irgendwo verfangen oder sich eingeklemmt haben, bei leichten Wehwechen wie kleinere Abschürfungen kann man sie Sache vorerst auf sich beruhen lassen.

Wie man Panikflattern vorbeugen kann

Ganz verhindern lässt es sich nicht, es gibt schreckhafte und nicht so schreckhafte Wellensittiche, diese Erfahrung habe ich zumindest gemacht. Mein Taifun hat sich zwar erschrocken, wenn die anderen Vögel nachts randaliert haben, aber er hat selber nicht in Panik herumgeflattert, sondern hing nur am Gitter oder saß mit großen Augen auf der Stange. Man kann versuchen, eine Atmosphäre zu schaffen, in der die Vögel sicherer sind und sich schneller wieder beruhigen. Wie das aussieht, möchte ich hier näher aufzeigen.

  • Man kann den Käfig zur Hälfte abdecken, so dass nur eine Seite offen ist. So haben die Vögel drei geschützte Seiten, von der keine oder kaum Gefahr ausgehen kann.
  • Falls vorhanden, Jalousien teils herunter lassen oder Vorhänge zuziehen, damit Lichtbkegel von vorbeifahrenden Fahrzeugen die Vögel nicht erschrecken oder wandernde Schatten an den Wänden projizieren.
  • Das Licht im Vogelzimmer eine halbe Stunde vor dem Schlafengehen dimmen, so dass sie noch genügend Zeit haben, ihre letzte Mahlzeit einzunehmen und ihre Schlafplätze aufzusuchen.
  • Noch besser ist ein sogenanntes Nachtlicht, welches die ganze Nacht eingeschaltet bleibt und ein diffuses Licht abgibt, somit können die Wellensittiche sich besser orientieren und schneller beruhigen, falls sie doch mal kurz aufschrecken. Das kann eine Nachttischlampe mit gedämpftem Licht sein oder ein spezielles Nachtlicht, welches sich bei Dunkelheit automatisch einschaltet und bei Tageslicht wieder ausschaltet.
  • Eine Möglichkeit ist auch, ein Babyfon zu nutzen, besonders dann, wenn das eigene Schlafzimmer von den Vögeln weit entfernt ist, damit man Panik-Geräusche im Zimmer des Vogels während der Nacht besser hört und zur Hilfe eilen kann.
  • Niemals Änderungen an der Käfigeinrichtung direkt vor dem Schlafengehen vornehmen.
  • Ein Vogelzimmer ohne feste Schlafkäfige, in denen die Vögel nachts schlafen, beherbergt immer ein größeres Risiko, dass es zu schwerwiegenderen Verletzungen oder sogar Todesfällen kommt. Denn hier haben die Vögel viel mehr Geschwindigkeit drauf und bei einem Aufprall ist die Gefahr einer ernsteren Verletzung größer. Im schlimmsten Fall kann es zu einem Genickbruch kommen. Auch könnten Schränke, Regale, Heizkörper zu Todesfallen werden, wenn sie dazwischen oder dahinter geraten. Es ist empfehlenswert, auch bei ganztägigem Freiflug die Sittiche während der Nachtruhe einzusperren - zu ihrer eigenen Sicherheit. Sollte man das nicht ermöglichen wollen, ist auf jeden Fall ein Nachtlicht zwingend notwendig.
Wenn die Tipps auf dieser Seite befolgt werden, ist die Wahrscheinlikchkeit eines Nachtschrecks geringer. Sollte es dann hin- und wieder passieren, sei darauf vorbereitet, sofort zu Hilfe zu kommen: Schalte das Zimmerlicht ein, rede mit leiser und beruhigender Stille und nähere dich den Sittichen ganz vorsichtig, mache keine hastigen Bewegungen. Kontrolliere, ob alles in Ordnung ist und helfe Vögeln, die sich in einer misslichen Lage befinden, sofort. Lasse das Licht noch einige Zeit eingeschaltet, damit die aufgewühlten Wellis wieder herunter kommen.

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